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Stimmige Musicalpremiere in Steyr - MY FAIR LADY

Datum: 27. Juli 2012 | Autor:

Am 26. Juli 2012 durften wir die Premiere von MY FAIR LADY im Steyrer Schlossgraben sehen. Die Produktion läuft noch bis 14. August 2012.



Am 26. Juli 2012 feierte das Musikfestival Steyr mit dem Muiscalklassiker „My Fair Lady“ seine 18. Eröffnung. Ein Musical über ein sehr aktuelles Thema. Der Umgang zwischen Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsschichten.

Eliza Doolittle (gespielt von Beate Ritter) ist ein einfaches Blumenmädchen das in den Straßen von England ihre Blumen verkauft und vor allem durch die sehr plumpe Aussprache in Dialekt auffällt. Als sie eines Tages auf Oberst Pickering (gespielt von KS Josef Luftensteiner) trifft und ihm versucht ihre Blumen anzudrehen erscheint auch der bekannte Sprachprofessor Henry Higgins (gespielt von Peter Edelmann) der durch die Straßen schlendert, den Passanten ihre sprachlichen Wurzeln nennt und dadurch für großes Staunen sorgt. Gleich beim ersten Zusammenstoßen zwischen Eliza und Henry zeigt er mit seiner extrem arroganten Art seinen Standpunkt gegenüber dem „Fußvolk“. Dennoch einigen sich Oberst Pickering und Professor Higgins auf eine Art Experiment. Die Beiden wetten darum, dass Higgins es schafft Eliza in nur sehr kurzer Zeit sprachlich so weit zu bringen, dass sie in feiner Gesellschaft nicht mehr auffallen wird. Nach nächtelangen Übungen wie der wohl bekanntesten aus dem Musical „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blüh’n“ oder auch Training mit Murmeln im Mund wird Eliza in einer ersten öffentlichen Übung zum Pferderennen mitgenommen, wo sie in der Loge von Higgins‘ Mutter (gespielt von Gabriele Deutsch) auf Londons Oberschicht trifft. Durch einen peinlichen Fauxpas während des Rennens will Oberst Pickering das Experiment abbrechen, doch Henry Higgins bleibt standhaft und besteht auf eine weitere Übung in der Öffentlichkeit, die auch zum vollen Erfolg wird.

Erst jetzt wird Eliza bewusst, dass sie eigentlich nur Teil einer Demonstration durch den arroganten Professor wurde und durch den jetzigen Erfolg eigentlich nicht mehr in Henry Higgins‘ Leben passt und über kurz oder lang wieder auf der Straße landen wird. Nach einem Streit mit dem Professor beschließt sie das Anwesen sofort zu verlassen und trifft auf Freddy Eynsford-Hill (gespielt von Martin Kiener), der seit dem Pferderennen Eliza nicht mehr aus dem Kopf bekommt und deshalb vor Higgins‘ Haus wartet. Nach einer ungeschickten, da wenig charmanten, Entschuldigung von Professor Higgins, der sich endlich seine Gefühle für Eliza eingesteht, beschließt diese doch wieder zu ihm zu ziehen.

Die Produktion in Steyr wird dem Publikum sehr stimmig dargebracht. Wenn auch die großen tontechnischen Probleme, trotz Musik vom Band, für Jedermann hörbar waren und die Lichtstimmungen oft undurchdacht schienen wurde die Handlung des Musicalklassikers dem Zuseher sehr ansehnlich übermittelt. Das technische Equipment hätte auch mit Verfolgern aufgebessert werden können, da die Akteure oft im Dunkel stehen gelassen wurden bzw. sich in Massenszenen nicht vom Ensemble abheben konnten. Die Musik, die ganz offensichtlich vom Band kam, wirkte höchst professionell, beinhaltete allerdings ein unangenehmes, doch nicht extremes, Grundrauschen, dass die Tonqualität etwas minderte. Das Bühnenbild selbst wirkte schlicht, aber stimmig. Natürlich wirkte bei der Inszenierung wieder einmal mehr das bezaubernde Ambiente des Schlossgrabens.

Das Ensemble teilte sich für uns in zwei  Gruppen. Die ganz offensichtlich ausgebildeten Darsteller die die Hauptrollen besetzten, überragten das Ensemble das in unseren Augen sehr Laienhaft wirkte. Regisseur Hannes Rossacher, der schon mit Michael Jackson, Whitney Houston, Bon Jovi, Reinhard Fendrich oder auch Herbert Grönemeyer arbeiten konnte, inszenierte sein erstes Musical auf sehr klassische Art, versäumte es allerdings offensichtlich sich mit dem Ensemble tiefer zu befassen. Dieses wirkte oft überfordert und unkoordiniert, allerdings ist auch uns bewusst, dass die Aufgabe die Ensemblemitglieder alle richtig zu positionieren, sicherlich auf Grund der fehlenden Ausbildungen keine leichte Aufgabe war. Leider waren auch die Mikroboards der Ensemblemitglieder hörbar schlechter eingestellt, als die der Hauptdarsteller. Sehr positiv waren für uns die sehr hochwertig wirkenden Kostüme.

Wie Intendant Karl-Michael Ebner schon bei der Eröffnungsrede erwähnte: Lange Rede, kurzer Sinn…
Alles in Allem eine sehr gute und stimmige Darbietung des Musicalklassikers „My Fair Lady“, die durch kleine, meist leicht verbesserbare, Probleme etwas leiden musste.
Wir freuen uns auf die nächste Steyrer Musicalproduktion.

Unsere Bewertung


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MY FAIR LADY in Steyr
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