PremierenberichtÖsterreich

Unterhaltsames Stück mit Qualitätsmängel

Datum: 20. März 2014 | Autor:

Die gestrige Premiere von MAMMA MIA! , als erstmals deutschsprachige Version in Österreich, wurde zwar mit stehenden Ovationen gewürdigt, dennoch ist die Produktion in vielerlei Hinsicht billig und entspricht eigentlich nicht den, sonst deutlich höheren, Qualitätsansprüchen der Vereinigten Bühnen Wien.



MAMMA MIA! was für ein Abend.

Das Stück selbst ist wohl gut bekannt. Wir fassen dennoch kurz zusammen.
Donnas Tochter Sophie will heiraten, doch was wäre eine Hochzeit ohne Brautvater. Da Sophie ihren Vater nie kennen lernte, beschließt sie alle drei potentiellen Samenspender zu ihrer Hochzeit einzuladen. Diese Entscheidung trifft sie komplett alleine, niemand weiß davon. Als die drei Herren dann auf der griechischen Insel eintreffen sorgen sie für absolutes Chaos. Donna wird von Ihrer Vergangenheit eingeholt, Sophie ist verwirrter als je zuvor, da sich nicht deutlich zeigt wer genau ihr Vater ist und die drei ehemaligen Liebhaber entdecken mit der Zeit auch den wahren Grund der Einladung und wollen alle Sophie als Vater, bei der Hochzeit, zum Altar führen. Schlussendlich einigt man sich, dass Sophie drei Väter hat. Die Hochzeit wird abgeblasen, Donna findet wieder zurück zu Sam (einem der Liebhaber) , Donnas Freundin Rosie krallt sich den nächsten Samenspender, Bill, und Harry, der dritte der Herren, outet sich vor allen Hochzeitsgästen.

Generell wird, ähnlich wie bei Natürlich Blond, in MAMMA MIA! mehr auf Entertainment gesetzt. Der Vorteil gegenüber Natürlich Blond ist sicherlich die Zielgruppe. Die Musik von ABBA ist in aller Herren Länder bekannt und beliebt. So auch in Österreich, wo das Musical sicherlich Scharen in das Wiener Raimundtheater locken wird. Dennoch. Qualitatives Musical sieht definitiv anders aus. Vor allem, wenn man die, für normal gewohnte, eigentlich sehr hohe Qualität der Vereinigten Bühnen erwartet.

Das Cast selbst bringt das Publikum zwar oft ordentlich zum Lachen, dennoch ist es teilweise traurig, wenn man hofft, auf einer der renommierten Musicalbühnen im deutschsprachigen Raum, die Besten der Besten zu sehen.

Ana Milva Gomes, als Hauptdarstellerin, in der Rolle der Donna, ist definitiv richtig besetzt. Ihre Stimme ist den Österreichern mittlerweile gut bekannt (Sister Act, Natürlich Blond) und auch schauspielerisch passt sie gut in die Rolle. Das Ana dunkelhäutig ist scheint zwar für's erste etwas sonderbar, da so noch nicht gesehen, allerdings ist dies nach wenigen Minuten absolut vergessen. Ihre Tochter Sophie wird von der jungen Madeleine Lauw gespielt, welche vom Typ super zu Donna passt. Die Stimme hat sie jedoch definitiv nicht von der Mutter. Die Premiere war von schrägen Tönen überhäuft. Auch schauspielerisch wirkt Madeleine zwar jung und quirlig aber sehr steril. Wobei generell das gesamte Cast mehr >miteinander< spielen könnte. Sophies Verlobter Sky wird von Andreas Wanasek verkörpert. Ein blonder Schönling, der in jeder Richtung eine solide Arbeit abgibt.

Die drei Väter, Harry, Sam und Bill werden von Ramin Dustdar, Boris Pfeiffer und Martin Muliar gespielt. Während Ramin und Boris gesanglich überzeugen, sollte Martin doch eher beim Schauspiel bleiben. Er sorgt dennoch für viele Lacher im Publikum und beglückt im Stück nur ganz selten mit Gesang.

Rosie und Tanja, Donnas beste Freundinnen, sind auch mit auf der Insel. Verkörpert werden die zwei von Jacqueline Braun und Susa Meyer, welche beide gesanglich überzeugen und schauspielerisch das Publikum vor Lachen zum Brüllen bringen. Ein tolles komödiantisches Duo.


Das geliebte Wiener Musicalorchester saß gestern Abend hoffentlich zumindest im Publikum, wobei man sich fragen muss ob die Musiker wohl viel Gefallen an den Synthesizerklängen gehabt hätten. Fairerweise muss man sagen, dass ABBA nun mal genau diese Musik komponiert hat. Dennoch wäre eine orchestrale Fassung ein Traum gewesen, in diesem Fall bleibt es auch bei einem solchen. Aber davon abgesehen sorgte die neue Band des Orchesters der Vereinigten Bühnen Wien für tolle Stimmung.

Wodurch wir gleich zum Sound der Produktion kommen. Selten haben wir einen so bombastischen Start eines Stückes erlebt. Doch kaum ist der Vorhang geöffnet, ist die Beschallung eher spärlich. In der zweiten Halbzeit war der Ton merkbar kräftiger.

Bühnenbild, Licht und sonstige Technik. Das Bühnenbild besteht aus einer sich wandelnden Taverne, die (wenn wir richtig gezählt haben) aus zwei Teilen besteht, welche durch das Ensemble positioniert werden. Bett, Tisch und Stühle zieren außerdem teilweise die Bühne. Das Lichtdesign ist zwar stimmig aber nicht auffällig toll. Also alles in allem wirkt das Bühnenbild mit Licht und Technik zwar stimmig, aber nicht sehr aufwändig.

Etwas schräg war für uns die plötzliche Show nach dem eigentlichen Schlussapplaus. Es wurden noch weitere drei Songs mit ganzem Ensemble performed. Irgendwie wirkte es, als wolle man sich dabei für die Patzer während des Stückes entschuldigen. Denn hier wurde richtig sie Sau herausgelassen.

Zusammengefasst muss man sagen, dass diese Produktion nicht dem eigentlichen Qualitätsstandard der Vereinigten Bühnen entspricht. Eine unterhaltende Show, die deutlich hochwertiger sein könnte. Uns ist bewusst, dass bei so bekannten Werken kaum freie Hand bei der Inszenierung gelassen wird, doch genau dann stellt sich die Frage, warum man eine solche Sparversion von MAMMA MIA! für Wien einkauft. Es ist schlicht schade auch wenn es, im Bezug auf die finanzielle Lage der VBW nachvollziehbar ist.

Unsere Bewertung

 


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MAMMA MIA! in Wien
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