PremierenberichtÖsterreich

Ein Musical mit Revuecharakter für die ganze Familie

Datum: 02. Mai 2014 | Autor:

Die Premiere von Tschitti Tschitti Bäng Bäng im Prinzregententheater am 30. April, als kontinentale Erstaufführung viel beworben, wurde mit tosendem Beifall gewürdigt und konnte, trotz kleiner Pannen, überzeugen.



Vorgestern Abend fand die, im Vorfeld reichlich beworbene, Premiere der neuen Megaproduktion des Staatstheaters am Gärtnerplatz TSCHITTI TSCHITTI BÄNG BÄNG in München statt, welche jedoch im Ausweichquartier Prinzregententheater gespielt wurde. Die kontinentale Erstaufführung, wie im Voraus, sowohl in der Abendschau des BR als auch im Münchner Merkur und der tZ, betont wurde. Niemand konnte die neonpinken Plakate übersehen. Die Manier der großen Show zeigt sich aber nicht nur in der gekonnt platzierten Pressearbeit, sondern auch auf der Bühne, in einem Spektakel das aufwändiger nicht sein könnte.

Zunächst eine kurze Zusammenfassung  für diejenigen, denen der Inhalt nicht geläufig sein sollte. Tschitti Tschitti Bäng Bäng ist der Name eines alten Rennwagens, den der mittellose,  alleinerziehende Erfinder Caractacus Potts unter größten Mühen für seine, das Auto liebende, Kinder erwirbt. Er baut das Gefährt für sie um und wie durch ein Wunder, kann es sogar schwimmen und fliegen. Jedoch der Spielzeugnarr  Baron Bomburst von Vulgarien  will Tschitti ebenfalls besitzen und schickt zwei Spione nach England, um das Auto zu beschaffen. Diese entführen Großvater Potts, und eine aufregende Verfolgungsjagd, bei der den Potts die Süßwarenfabrikantentochter Truly Scrumtios zur Seite steht, beginnt. Die Jagd führt die vier Protagonisten nach Vulgarien, in dem der Baron und seine Frau mit Hilfe eines Kinderfängers Angst und Schrecken verbreiten. Dank eines Spielwarenhändlers und ihres Zusammenhalts schaffen es die Potts und Truly, die in Vulgarien verbannten Kinder sowie den Großvater zu befreien. Nun können sie als neue Familie heimwärts fliegen.

Eine große Herausforderung für das Produktionsteam des Gärtnerplatztheaters, da der dem Musical zugrunde liegende MGM- Film hohe künstlerische Maßstäbe und Erwartungen gesetzt hat und oft in einem Atemzug mit James- Bond- Filmen oder Kassenschlagern wie Marry Poppins genannt wird.

Josef E. Köpplinger führt mit viel Liebe zum Detail durch das bombastische Musicalspektakel, dessen Cast in den zahlreichen Facetten des Genres gefordert wird. Auch Bühnenbild und Technik geben, was Effekte und Verwandlungen angeht, ihr Bestes. Nur schade, dass die Nebelmaschine die Flugmechanik des Autos nicht vollkommen verdeckt, sonst wäre die Illusion  des Flugs in den täuschend echt beleuchteten Sternenhimmel perfekt. Die Kostüme sind teils bieder, im Stil der Zeit, oder fantastisch mit zahlreichen Finessen von Alfred Mayerhofer ausgestattet.

Die Musik der allseits bekannten Sherman Brüder entführt in eine an „Mary Poppins“ erinnernde Fantasiewelt, für dessen erweiterte Orchesterfassung das Staatstheater am Gärtnerplatz John Owen Edwards gewinnen konnte. Gekonnt angeleitet wird das Orchester durch Michael Brandstätter in der musikalischen Leitung. Jörn H. Andresen ist für die zahlreichen bezaubernden  Choreinstudierungen verantwortlich. Auch das Musicalorchester verdient für die märchenhafte Umsetzung Bewunderung.

Choreografin Ricarda R. Ludigkeit  hat für das Stück eindrucksvolle Choreografien entwickelt, die vom Ensemble mit viel Freude und Ausdruck umgesetzt  werden. In manchen Szenen des 1. Aktes bedauert man nur den Platzmangel für die Tänzer, der die Übersicht einschränkt, was man im zweiten Akt, in dem die Bühne nach hinten geöffnet ist, jedoch schnell verzeiht.

Besonders hervorzuheben ist die künstlerische Leistung der beiden Kinder Marinus Hohmann und Amelie Spielmann, die einen großen Teil der Vorstellung sehr charmant bestreiten. Peter Lesiak, der ihren Vater spielt, überzeugt sängerisch wie tänzerisch und auch Nadine Zeintl als Truly macht ihre Sache gut, obwohl man sich bei ihrem Solo im Spielzeugladen fragt, ob sie ganz im Takt mit dem Orchester ist. Eine stimmgewaltige Wucht ist, und tosenden Szenenapplaus erntet Sigrid Hauser als Baronin Bomburst. Nur einmal hat sie sichtlich mit den überdimensionalen Schleifen ihres Kostüms zu kämpfen. Wundervolle Charakterdarstellungen kann man außerdem von David Jakobs und Hannes Muik zu sehen bekommen, die die komischen Seiten ihrer Spionenparts meisterlich in Tanz und Spiel bedienen. Auch Markus Meyer jagt dem Publikum als schauriger Kinderfänger die gehörige Portion Angst ein.

Insgesamt kann man von einem vergnüglichen Abend für jung und alt sprechen, der in seiner Größe und Vielfalt sicherlich beeindruckend ist und für jedes Kinderherz ein Happy End bereit hält.

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TSCHITTI TSCHITTI BAENG BAENG in Muenchen
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