PremierenberichtÖsterreich

Fantastische Inszenierung eines Meisterwerks

Datum: 28. September 2014 | Autor:

Französische Revolution in Linz. Les Misérables feierte gestern seine Premiere im Linzer Landestheater.



1815. Frankreich.
Jean Valjean wird auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Ein Ort voller Knechtschaft und Elend. Schnell wird Valjean bewusst, dass ein ehemaliger Sträfling kein leichtes Leben hat, denn niemand will ihm Arbeit geben. Als er in einer Kirche Zuflucht sucht, nimmt ihn der hiesige Priester herzlich auf. Über Nacht stiehlt Valjean sämtliche Reichtümer aus der Kirche und läuft davon, doch dauert es nicht lange, bis ihn französische Soldaten finden und ihn zurück zum Gotteshaus schleppen. Wider Erwarten hilft ihm der Geistliche allerdings, in dem er die freiwillige Übergabe der Kostbarkeiten an Valjean bestätigt. Doch nicht nur das. Jean bekommt zusätzlich zwei silberne Kerzenhalter in die Hand gedrückt, worauf er ein Versprechen abgibt, ab sofort immer im Sinne Gottes zu Handeln.

Jahre später hat sich Jean Valjean bis zum Bürgermeister Paris hochgearbeitet. Unter ihm arbeitet die schöne Fantine, welche allerdings ungerechtfertigter Weise von Valjeans Fabrikaufseher entlassen wird. Um ihre Tochter zu nähren landet Fantine auf der Straße und verkauft ihre ganze Habe, ihr Haar und schließlich sich selbst. Als eines Tages ein feiner Herr Fantines Dienste in Anspruch nehmen will, weigert sich diese, worauf hin der Edelmann die Hure anzeigt. Im rechten Augenblick kommt Jean Valjean des Weges, welcher die Frau erkennt und in seine Obhut nimmt. Am Sterbebett verspricht Jean sich um Fantines Tochter Cosette zu kümmern. Doch wurde Valjean von Polizeiinspektor Javert erkannt und muss flüchten. Sein Versprechen hält er allerdings und holt Cosette aus den Fängen der Wirtsleute Thénardier.

Als Cosette durch Zufall auf Marius trifft, verliebt dieser sich sofort in das schönste Gesicht der Welt und schickt Éponine Cosette zu finden. Bereits bei ihrem ersten Gespräch ist klar, dass Cosette und Marius für einander bestimmt sind. Doch es sind schlimme Zeiten, denn bereits am nächsten Tag wollen Marius, Enjolras und ihre Freunde Barikaden erbauen und revoltieren. Alle Aufständischen fallen an diesem Tag, doch als Valjean, der mittlerweile von der Liebe Marius und Cosettes weiß, diesen im eigenen Blut liegen sieht, schultert er ihn kurzer Hand und trägt ihn zu sich nach Hause. Marius erholt sich vom Kampf, hat große Schuldgefühle, kann nun jedoch seine geliebte Cosette heiraten. Als Valjean Cosette und Marius verlässt, um alleine seinen Frieden zu finden, verbietet er Marius seiner Cosette seinen Aufenthaltsort zu verraten. Doch während der Hochzeitsfeierlichkeiten kommen die Wirtsleute Thénardier auf Cosette und Marius zu, und erzählen ihnen, sie hätten Valjean mit Marius gesehen. Valjean solle Marius gerettet haben. Wie Schuppen fällt es Marius von den Augen, schnappt seine Cosette und läuft zu Valjean, um ihm zu danken. Jean findet, nach der Aussprache mit Marius und Cosette, endlich die lang gesuchte Erlösung.

Tolles Cast am Linzer Musiktheater
Allem voran glänzte bei der gestrigen Premiere von LES MISÉRABLES, im Linzer Musiktheater, das Ensemble. Vor allem Christian Alexander Müller, als Jean Valjean, und Konstantin Zander, als Javert, wurden vom Linzer Publikum mit tosendem Applaus belohnt. Verdient. Doch auch Rob Pelzer und Daniela Dett durften gebührend, als toll eingespieltes Spaß-Duo,  gefeiert werden. Eine ganz besondere Darbietung war die, von zwei Personen gespielte, Rolle der Fantine. Krankheitsbedingt konnte Kristin Hölck bei der gestrigen Premiere nicht singen, weshalb diesen Part kurzerhand Karin Filipcic übernahm. Auf der Bühne war allerdings Kristin Hölck zu sehen. Eine Angelegenheit, welche auch hätte schief gehen können. Doch die hohe Professionalität beider Frauen sorgte für eine beinahe unbemerkbare Rollenteilung. Hätte Matthias Davids die Nachricht nicht vor der Vorstellung noch verkündet, hätte man es wohl gar nicht mitbekommen. Sehr emotional trat Ariana Schirasi-Fard als Éponine auf die Bühne. Riccardo Greco brillierte als Enjoras. Schade nur, dass zu Ende sein Mikrofon streikte. Auch die kleine Cosette konnte schauspielerisch und gesanglich absolut überzeugen. Der Jungdarsteller des Gavroche wirkte aufgeweckt und schien absolut in seinem Element zu sein. Doch auch das Ensemble und der Chor dienten der Linzer Produktion als Feinschliff.


Gelungene Regie, extravagante Kostüme und ein musikalischer Ohrenschmaus
Seit einem guten Jahr existiert die Musicalsparte des Linzer Landestheater. Mit großem Erfolg. Nach der ersten Produktion „Die Hexen von Eastwick“ durfte das neue Musiktheater nun, vom selben Verlag, die Rechte für LES MISÉRABLES erwerben. Ein Stück, welches von guter Regiearbeit getragen werden muss, was in der Linzer Version des Meisterwerkes, von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg, ohne Frage der Fall ist. Auch die originalgetreuen Kostüme, von Susanne Hubrich, lassen den Zuseher zurück in die Zeit der französischen Revolution reisen. Gewohnt ist man in Linz auch den Klang eines großen Sinfonieorchesters, welches in dieser Produktion erneut tolle Arbeit leistet. Die Arbeit von Kai Tietje kann sich ganz klar hören lassen.

Schlichtes Bühnenbild und tolle Lichtstimmungen
In den Jahren 1815 – 1832 hatte das schlichte Volk nicht viel Hab und Gut. Dem entsprechend spärlich war auch das Bühnenbild von Mathias Fischer-Dieskau, welches von Michael Grundner in spannende Lichtstimmungen getaucht wurde. Seit der ersten Musicalproduktion kritisieren wir den Ton am Linzer Musiktheater, welcher leider nach wie vor nicht perfekt für das Genre Musical umgesetzt wird. Doch darf man nicht vergessen, dass das Hauptgebiet des Linzer Landestheaters immer Klassik und Schauspiel war. Besonders schade ist, dass unter dem minimal zu dünn designtem Tongemisch die Stimmen der Darsteller und Darstellerinnen oft untergehen.

Ausverkaufte Vorstellungen
Bereits jetzt kann sich das Linzer Landestheater über viele ausverkaufte Vorstellungen von Les Misérables freuen. Die wenigen Restplätze werden wohl nach den ersten Kritiken schnell ihre Besitzer finden. Wir empfehlen gleich jetzt Karten zu buchen. Diese Produktion sollte sich niemand entgehen lassen.

Unsere Bewertung

 


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