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Nur noch 150 Tage in Wien

Datum: 30. Januar 2015 | Autor:

Das Kultmusical MAMMA MIA, mit den größten Hits von ABBA ist noch bis zum 28. Juni 2015 im Wiener Raimund Theater zu sehen. Wir waren noch einmal zu Gast und haben uns angesehen, wie sich die Show seit der Premiere entwickelt hat.



Seit März 2014 ist MAMMA MIA! zum ersten Mal bei den Vereinigten Bühnen Wien zu sehen. Derniere wird am 28. Juni 2015 gefeiert. Bevor nun Mozart! im Wiener Raimund Theater Einzug hält, bleibt damit Mamma Mia! noch für 150 Tage in Wien.

Wir durften uns erneut eine Vorstellung von Mamma Mia ansehen und berichten nun von den Entwicklungen seit der Premiere:
Positiv überrascht waren wir von dem nun satten, für ABBA gewünschten, Sound der durch, wie wir vermuten, eine neue Soundanlage ermöglicht wurde. Negativ bleibt dabei leider die, möglicherweise auch Sitzplatzbedingte, schlechte Mischung von Gesang und Band. Die überschaubare Combo wurde leider nicht größer, doch wird man bei Mozart! hoffentlich wieder in gewohnter Orchesterfassung aufwarten.

Das Cast hat sich aktuell nur leicht verändert. Lediglich Ramin Dustar wurde durch Peter Kratochvil ersetzt, doch wird sich laut Gerüchten demnächst einiges an der Besetzung ändern.

Vor allem Ana Milva Gomes, Jacqueline Braun und Susa Meyer als Donna, Rosie und Tanja überzeugen bereits seit der Premiere das Publikum, doch merkt man sehr deutlich, dass die drei Damen noch viel "eingespielter" sind und dadurch ihre Auftritte richtig auskosten können.

Das Liebespaar Andreas Wanasek und Madeleine Lauw scheint kurz vor der Trennung zu sein. Selten sieht man ein Liebespaar, welches so wenig Zuneigung ausstrahlt. Gesanglich hat sich Andreas Wanasek hörbar nicht weiter entwickelt. Nach wie vor bringt er eine solide Leistung, die nicht unbedingt nach einer Zugabe schreit. Madeleine Lauw hingegen versucht ihre gesanglichen Schwächen durch kaum hörbare, beinahe nur "kopfige", Piepslaute zu verstecken. Ab und zu wird versucht "Belttechnik" zu verwenden, was die, von vielen Medien als "Töne wie bei einem Schlumpf, dem man zu fest auf den Bauch drückt" bezeichneten Sounds verursacht. Schauspielerisch wirkt Madeleine frisch, aufgeweckt und auf die Rolle passend.

Sophies drei Väter, gespielt von Peter Kratochvil (Harry), Boris Pfeifer (Sam) und Martin Muliar (Bill) , geben mittlerweile eine sehr automatisierte Arbeit ab. Warum Peter Kratochvil kaum eine Produktion ohne Wiener Dialekt spielt ist uns absolut schleierhaft. In diesem Fall ist die Mundart-Version von Harry für einige Minuten lustig, dann jedoch eher nervig. Boris Pfeifer wirkt, wie bereits bei der Premiere, etwas steif, gesanglich ist er aber seinen Kollegen weit überlegen. Martin Muliar scheint als einziger der Drei seine Rolle wirklich verinnerlicht zu haben. Das liegt wohl daran, dass er selbst aus dem Genre Schauspiel kommt und wohl auf Grund seiner gesanglichen Handicaps den Schwerpunkt auf die schauspielerischen Fähigkeiten gelegt hat. Stellt sich natürlich auch die Frage, ob die schauspielerischen Qualitäten bei einem solchen Stück eine große Rolle spielen, sind die meisten im Publikum doch sichtlich auf Grund der ABBA-Hits im Theater.

Das weitere Cast ist wie zu Produktionsstart nach wie vor quietschvergnügt und sichtlich motiviert, auch wenn hier teilweise leider die Automation sichtbar wird. Mit Automation sind Situationen gemeint in denen die Darsteller nicht mehr aktiv zuhören, und lediglich auf ihren Einsatz warten. Dies zeigt sich, als Beispiel, durch oft unpassendes Kopfnicken, wodurch der Darsteller versucht "das Zuhören" zu spielen, anstatt eben aktiv zuzuhören. Eine Tatsache die sich leider vor allem bei En-Suite-Produktionen (Produktionen die von der Premiere bis zur Derniere, meist beinahe täglich, ohne Wechsel, gespielt werden, im Gegensatz zu Repertoire-Spielplan, in dem sich verschiedene Stücke abwechseln) schnell einschleichen kann.

Trotz einer sehr minimierten Ausstattung und einigen Qualitätsmängeln dürfte das ABBA-Phänomen beim Publikum die Überhand gewinnen, denn tosender Applaus und Standing Ovations lassen bei dieser Show auf begeisterte Zuseher schließen. Qualitativ gesehen ist die Produktion nach wie vor nicht den Vereinigten Bühnen Wien würdig, die Stückwahl scheint rein rationell zu sein.

Wöchentlicher Spielplan:
Dienstag 18.30 Uhr
Mittwoch bis Samstag jeweils 19.30 Uhr
Samstag zusätzlich 15.00 Uhr
Sonntag 18.00 Uhr
Montag SPIELFREI


Multimedia

Fotos
8 Fotos
Andreas Wanasek und Madeleine Lauw
Pierre Damen, Susa Meyer und Ensemble
Madeleine Lauw als Sophie und Ensemble
Susa Meyer, Ana Milva Gomes und Jacueline Braun
Ana Milva Gomes und Ensemble
Ana Milva Gomes und Ensemble
Annakathrin Naderer, Madeleine Lauw und Sophia Gorgi
Martin Muliar als Bill, Boris Pfeifer als Sam und Ramin Dustdar als Harry

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