Kritik

Halleluja, was für ein Nonsens!

Datum: 04. Juli 2015 | Autor: Philippe Beck

Die Tourproduktion Non(n)sens war von 23. bis 24. Juni auch in Wien zu Gast. Wir durften uns von den flippigen Nonnen unterhalten lassen. Eine amüsante Kleinproduktion.

5 Nonnen gestalten eine abendfüllende Show. Alleine das wäre, zumindest nach Sister Act, gar nicht mehr so skurril, auch wenn man hierzulande wohl noch kaum ähnliches erlebt hat. Doch der Grund warum diese Show stattfinden muss setzt dem Ganzen dann doch noch die Krone auf.

Aufgrund eines Fauxpas, der Köchin, Schwester Julia, verstarben leider beinahe alle (52) Ordensschwestern aufgrund einer ungenießbaren Bouillabaisse (provenzalische Fischsuppe). Die fünf verbliebenen Schwestern entgingen der Katastrophe nur, weil sie außer Haus waren – sie spielten Bingo. Bei der Rückkehr ins Kloster fanden sie ihre Mitschwestern mit dem Gesicht in der Suppe. Zu allem Unglück fehlte das Geld für die Beerdigung, doch, einer göttlichen Eingebung folgend, gründeten sie eine Grußpostkarten-Firma, was die Beerdigung aller Glaubensschwestern ermöglicht hätte. Doch unverhofft kommt oft, und so beschloss Mutter Oberin die Anschaffung einer Heimkinoanlage (im Original ein Video-Recorder), wodurch das Geld nur für die Beerdigung von 48 Schwestern reichte. Der Sachverhalt hat natürlich auch etwas Gutes, denn ohne den Zwischenfall gäbe es keine Show, wodurch sich die Nonnen das notwendige Kleingeld für die restlichen 4 Beerdigungen erhoffen.

Non(n)sens ist ein witziges, abendfüllendes und durchaus skurriles Musical. Witzigkeit kennt keine Grenzen, doch um tatsächlich witzig zu sein, benötigt es ein immenses Fingerspitzengefühl, äußerste Präzision und eine ordentliche Portion Timing. Die Besetzung der Tourproduktion besteht aus Absolventen des Vienna Konservatoriums, sowie Sascha Ahrens, die selbst im Institut unterrichtet. Für die Regie zeigt sich, die ebenfalls am Vienna Konservatorium unterrichtende, sowie dort studierte, Künstlerin, Anita Todorov, verantwortlich. Musikalische Leitung liegt bei Mag. Gabor Rivo, der an diesem Abend als Bruder Gabor, in Form einer christlichen Ein-Mann-Band, zu hören war.

In der Rolle der Mutter Oberin durften wir die bekannte Musicaldarstellerin und Tänzerin Sascha Ahrens sehen, die dieser mit absoluter Hingabe vollkommen gerecht wurde. Timing ist alles, und genau das setzt Sascha bei jeder Pointe gekonnt um. Bemerkenswert ist der, gefühlt 10-Minuten lange, Monolog, im unbeabsichtigten Drogenrausch, in dem die ehemalige Kabarett Simpl-Künstlerin ihr ganzes Können unter Beweis stellt. Im Song „Ich will im Spot stehn“ wickelt sich die ehemalige Dancecaptin (wenn man Dancecaptain gendern kann), der Vereinigten Bühnen Wien, die Beine beinahe um den Hals.

Als Schwester Leo präsentiere sich uns Michael Eisterer, der als Mann in Nonnenkutte ohnehin zum Hingucker wurde. Doch soll dies nicht das komödiantische, sowie tänzerische Talent untergraben, welches Michael in jedem Moment zeigt. Vor allem die Mimik sticht hier besonders hervor, und auch die extrem angenehme Stimmfarbe lässt aufhorchen.

Die Mitschwestern Robert Anne, Hubert, sowie Amnesia wurden von Dominique Lösch, Isabella Pannagl und Veronika Rivo dargestellt, die sich als „Neulinge“ im Business neben den „alten Hasen“ nur mit Mühe behaupten konnten. Dies betrifft vor allem die schauspielerische Leistung, denn gesanglich waren alle drei sehr gut und tänzerisch absolut solide. Und wenn man ein Blumensträußlein, aufgrund der begrenzten Raumdimension und einer gekonnten Drehung von Schwester Leo, in die Pappn bekommt, dann darf man auch als Darsteller mal auf der Bühne zu lachen beginnen.

Alles in allem ist die Produktion musikalisch hoch qualitativ, das spartanische Bühnenbild stört in keinem Fall und die Choreographien von Regisseurin Anita Todorov sind absolut stimmig und sehr gut umgesetzt. Anita Todorov schafft es außerdem, dass die Produktion sehr kurzweilig bleibt und das Publikum ganz klar amüsiert. Mag. Gabor Rivo kann man tatsächlich in jedem Fall als Ein-Mann-Orchester bezeichnen, denn selten klang ein einfaches Klavier so voll und mächtig. Rein der Ton war nicht perfekt, da diverse Effekte nicht immer zum richtigen Zeitpunkt verwendet wurden, doch darf man hier nicht meckern, denn im Vergleich zu ähnlichen kleinen Produktionen war auch die Technik toll umgesetzt.

Neue Termine sind derzeit in Planung, wir empfehlen die Produktion jedem, der seine Lachmuskel gerne appliziert.

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Non(n)sens on Tour, Szenenmotiv
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