Kritik

Strapse, Korsagen und ein interaktives Publikum

Datum: 04. Juli 2015 | Autor: Sarah Stössl

Seit 02.07. ist Richard O’Brians Rocky Horror Show zu Besuch in der Grazer Oper. Das Musical sorgt mit stimmkräftigen Darstellern und einer sechs-Mann-Lifeband für Rock Konzert Stimmung. Noch bis Sonntag, 05.07., ist die Truppe live zu sehen.

Vor der Show

Vor dem Eingang der Oper tummeln sich die Fans der Rocky Horror Show. Einige haben sich sogar in die Kostüme ihrer Lieblingsdarsteller geschmissen. Es gibt verschiedene Frank’n‘Furters in Netzstrumpfhosen, Strapsen, Korsagen und High-Heels. Einige Magentas haben sich mit Roter Perücke und freizügigen Kleidern eingefunden.

Schon vor der Show gibt es einiges zu sehen. Vor dem Merchandise-Stand bildet sich eine Schlange. Die Fans statten sich mit den speziellen Fanpackages aus. Darin enthalten: ein roter Handschuh, ein roter Hut, ein Knicklicht, eine Ratsche, Konfetti und eine befüllte Spritzpistole. Dazu eine Anleitung, wann die verschiedenen Gegenstände zum Einsatz kommen. So wird zum Beispiel in der Szene, wo Brad und Janet im Gewittersturm zum Haus von Dr. Frank’n’Furter kommen, mit der Spritzpistole herumgeschossen, um den Eindruck von Regen zu erzeugen.

Vor Beginn der Show werden auf der Bühne verschiedene Filmausschnitte aus der „Rocky Horror Picture Show“ gezeigt, die die Besucher auf das Kommende einstimmen sollen. Um Punkt 19:00 beginnt das Spektakel.

Der Inhalt

Maria Franzén betritt als blonde Magenta die Bühne und singt den Einstiegssong „Science Fiction/Double Feature“ mit ihrer rauchigen Rockstimme. Der Erzähler betritt die Bühne. Chris Lohner steht im Rampenlicht und wird mit Jubelschreien, trampelnd und klatschend begrüßt. Nachdem sie das Publikum ruhiggestellt hat, liest sie aus einem roten Buch die Geschichte von Brad und Janet, gespielt von David Ribi und Harriet Bunton, vor. Ein junges Paar, das sich verlobt und durch eine Autopanne im Haus des schrägen Dr. Frank’n’Furters und seinem Gefolge landet, um einen Pannendienst zu rufen.

Das Haus wird von Stuart Matthew Price als Riff Raff geöffnet, der seine Rolle als etwas grusliger und eigenartiger Butler überzeugend verkörpert. Columbia, das kleine piepsige Hausmädchen, gespielt von Hannah Cadec, tritt auf und singt gemeinsam mit Riff Raff und Magenta eines der bekanntesten Lieder des Musicals. Den Time Warp. Fast genauso schnell und bestimmt gleich hoch, oder höher als im Film singt Columbia ihr Solo und begeistert die Massen. Einige stehen auf und kommen Chris Lohners Anweisung eines „Jumps to the left“ nach und tanzen mit den Darstellern.

Janet drängt Brad dazu, das Haus zu verlassen. Die Gäste sind ihr unheimlich und sie hat Angst. Brad beschwichtigt und versucht sie damit zu beruhigen, dass er für sie da ist. Doch dann kommt das unerwartete: Rob Fowler betritt als Dr. Frank’n’Furter die Bühne und lässt sich mit dem Song Sweet Transvestite feiern. Er trägt Strapse, Netzstrümpfe, rote Higheels, eine schwarze Korsage und ist auffällig geschminkt. Blond aber gewohnt sexy und voller Selbstbewusstsein zeigt er Brad und Janet seine Welt.

Sein ganzer Stolz, das Labor, wird der Schauplatz der nächsten Szene. Der Doktor erklärt seinen Gästen, dass er eine Kreatur schaffen wird. Er mixt ein paar Substanzen miteinander: Riff Raff betätigt ein paar Hebel und Knöpfe. Zu den Zeilen von „The sword of damocles“ entsteht die Kreatur Rocky. Der blonde muskulöse Schönling, dargestellt von Vincent Gray, soll der Mann von Master Frank’n’Furter werden.

Es folgen einige Bettszenen verschiedener Kombinationen. So landen zuerst Janet und danach auch Brad mit Dr. Frank’n’furter im Bett. Danach begeht Janet mit Rocky den Liebesakt. Die Beziehung von Brad und Janet steht auf dem Spiel.

Am nächsten Tag kommt Dr. Scott, gespielt von Charles Brunton, unangemeldet zu Besuch. Er sucht seinen Neffen Eddie, ebenfalls gespielt von Charles Brunton, den Dr. Frank’n’Furter mit einem Messer erstochen hat. Die Lage spitzt sich immer mehr zu. Fank’n’Furter, Magenta und Riff Raff handeln und setzen die Hausbewohner unter Drogen, die sie willenlos machen. Der Master und seine beiden Untergebenen bereiten die Reise zu ihrem Heimatplaneten Transsexuell in der Galaxie von Transsylvanien vor.

Das ganze endet damit, dass Riff Raff und seine Schwester Magenta in futuristischer Kleidung und mit Laserpistolen zuerst Columbia, danach ihren Master Frank’n’Furter und zuletzt auch noch Rocky erschießen. Brad, Janet und Dr. Scott, werden angewiesen das Haus zu verlassen. Danach beamen sich Magenta und Riff Raff auf ihren Heimatplaneten und lassen das junge Paar peinlich berührt zurück auf der Erde.

Die Bühne

Ein großes Metallgerüst bestimmt den Hauptaufbau der Bühne. Dort befinden sich auf der obersten Etage die Band und manchmal auch die Erzählerin oder die Darsteller. Durch den geschickten Einsatz von Nebel und Projektionen wird das Ganze sehr wandelbar und ergänzt die Handlung sehr gut. Immer wieder wird auch vor dem Vorhang gespielt, um den Umbau der Bühne zu gewährleisten.

Das Publikum

Anders als bei gewöhnlichen Aufführungen in der Oper ist das Publikum der Rocky Horror Show sehr interaktiv. Das Fanpackage wurde von zahlreichen BesucherInnen gekauft und auch eingesetzt. Die Songs werden mitgesungen und immer wieder stehen ganze Reihen auf und tanzen zu den Songs. Tosender Applaus folgt nach jedem Song und jeder Szene.

Das Musical macht eher den Eindruck eines Konzerts, bei dem mitgeflippt, mitgetanzt und gesungen wird. Auch Chris Lohner fällt immer wieder aus ihrer Rolle des Erzählers und spricht das Publikum direkt an. Sogar Dr. Frank’n’Furter unterbricht immer wieder die englischen Dialoge und lässt deutsche Worte einfließen.

Kaum verwunderlich ist es also, dass die Show erst nach zwei Zugaben und großer Partystimmung zu Ende war.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Show sehr gelungen ist und kaum zu wünschen übrig lässt. Das Musical ist sehenswert und kann an alle Rocky Horror Fans und solche, die es noch werden wollen, empfohlen werden.

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