Premierenbericht

Ein „Bussi“ vom Gärtnerplatztheater in München

Datum: 06. Juli 2015 | Autor: Monika Fried

Das Musical-Muss für 80ger-Jahre-Fans und die, die es gerne werden wollen, hatte am 4. Juli in der Ausweichspielstätte Reithalle Uraufführung und begeisterte trotz und wegen klimatischer sowie räumlicher Höchsttemperaturen.

Sehr umsichtig wurden schon im Vorfeld der Premiere der in der Geburtsstunde liegenden Musicalproduktion des Staatstheaters am Gärtnerplatz „Bussi-das Munical“ Fächer verteilt. Die Reithalle bot im umgestalteten Zustand für den Zuschauer das „Cluberlebnis“ par Excellence, verschwitztes Mengenbad inklusive. Alle waren gekommen, trotz Filmfestfinale und vieler Alternativveranstaltungen des Münchner Kultursommers: die Intendanz, der viel umworbene Regisseur, sowie der BR und weitere Presse für Interviews und Erstsichtung.

Hier die Zusammenfassung des Inhalts für Neueinsteiger. Der angesagteste Club der Stadt „Bussi“ in München um 1984, öffnet seine Tore nur der Schickeria. Jeder, der etwas auf sich hält und am Türsteher Schorsch vorbei kommt, will dabei sein. Bei Punk, Party und der neuen deutschen Welle trifft man Studenten, Schwule und Künstler. Der aus Augsburg kommende Student und Neumünchner Ritchie kommt mit Hilfe seines Freundes Thilo zum ersten Mal in den „Club“ und lernt dort die coolste Frau an der Bar, Stella, kennen und lieben. Sie gehört mit ihrem besten Freund, dem Stylisten Heli und ihrer Kollegin Barbie, zum „Inner Circle“ des „Bussi“. Doch wenn die Nacht zum Tag wird und Intrigen ihren Lauf nehmen, wird das junge Glück auf eine harte Probe gestellt. Woran der Szene-Reporter Wolf Wahn und gleichzeitig auch Stellas eifersüchtiger Exfreund nicht ganz unschuldig ist. Wie gut, dass Bavaria Toleranta, die Göttin der bayrischen Toleranz, über Freud und Leid sowie Feind und Freund thront und schließlich Alltag und Party wieder vereint.

Dass das Zeitgefühl, welches zu den 80ger Jahren in den Münchner Clubs herrschte, in einer Inszenierung eingefangen und wiederbelebt werden kann, beweist die Truppe des Gärtnerplatztheaters um Starregisseur Thomas Herrmanns mit Bravour.

Herrmanns entführt mit viel Witz und zielsicherem Zeitgefühl in die faszinierende „Underground“-Welt des Clubs. Der durch den gekonnten Aufbau der Bühne (Miriam Busch), die Anordnung des Publikums rund um das Geschehen in der Mitte und den abwechslungsreichen Technik und Lichteinsatz (Michael Heidinger) dem Publikum das Gefühl gibt, selbst Partygast im „Bussi“ zu sein. Da konnte man über lautstärketechnische Verständnisprobleme im Zusammenspiel mit Gesang und Musik hinwegsehen. Kostüm (Andreas Janczyk) und Maske (Inge Schäffner) runden das Spektakel schließlich ab und versetzen vollends mit Punk und vielen neonfarbenen Kontrasten in die 80ger.

Nicht zuletzt die Musikauswahl und deren meisterhafte Umsetzung machen das Musical zu einem Gesamtkunstwerk. Besonders hervorzuheben ist dabei Andreas Kowalewitz, der neben der musikalischen Leitung auch am Keyboard der „Bussi“-Band saß, die durch ihr mitreißendes Spiel einen Ohrenschmaus bereitete.

Alexandra Martens entwickelte ausdrucksstarke Choreografien, die das Ensemble und dessen Hauptdarsteller, von jeder der vielen Blickwinkel das Publikums aus, mal im großen Tumult, mal geordneter in Szene setzen.

Die Darsteller sind durchweg für ihren Elan zu bewundern, mit dem sie das Stück, trotz Hitze, aufwändiger Maske und Kostüme auf die Bühne oder besser gesagt in den „Club“ bringen. Sabrina Weckerlin als Stella und Benjamin Sommerfelt als Richie geben ein wunderbares Liebespaar ab, wobei stimmlich Sabrina Weckerlin die Hosen anhat und durch ihre hervorragende Leistung heraussticht. Enrico De Pieri als Stylist Heli sorgt für den nötigen humoristischen Wirbel und kann aber im Terzett mit Stella und Wolf Wahn alias Leon van Leeuwenberg, genauso wie die beiden anderen auch, mit ganz leisen Tönen überzeugen. Schorsch, Mathias Kostya und Barbie, Sandra Steffl überzeugen als skurriles Liebespaar mit den nötigen Ecken und Kanten. Doch auch die drei Sekretärinnen Julia Edtmeier, Veronika Enders und Sabrina Reischel sowie das gesamte Ensemble sind für ausdrucksvollen Tanz und den nötigen Witz im Spiel zu haben. Einen kurzen, dennoch eindrucksvollen Auftritt gibt Marianne Sägebrecht als Bavaria Toleranta, dem fast einer Nockerberg- Fastenpredigt gleich, der nötige Biss und Humor nicht fehlt.

„Bussi“ ist Punk und neue deutsche Welle vom Feinsten. Ein aufgehender Neonstern am Münchner Musicalhimmel.

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BUSSI - DAS MUSICAL, Szenenmotiv
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