Premierenbericht

Mozart! 2.0 - Klassik trifft auf Moderne

Datum: 25. September 2015 | Autor: Philippe Beck

Am 24. September feierte MOZART! Das Musical seine Premiere im Wiener RAIMUND Theater. Man versprach eine neue Version vom "alten" Stück. Ob dies immer der richtige Weg ist - darüber diskutierte das Premierenpublikum sehr heftig.

Am 2. Oktober 1999 feierte MOZART! Das Musical seine Uraufführung im Wiener Theater an der Wien. Genie und Wahnsinn liegen oft nah zusammen. Dies wollten Sylvester Levay und Michael Kunze in ihrer Geschichte über Österreichs wohl bekanntesten, klassischen Komponisten dem Publikum näher bringen.

16 Jahre später, genauer am 24. September 2015, feierte nun MOZART! seine Premiere im Wiener RAIMUND Theater. Groß angekündigt wurde, dass für die Rückkehr nach Wien eine neue Fassung, mit mitunter neuen Liedern auf die Bühne gebracht werden soll.

Man nehme ein altbewährtes Leading Team, eine Hand von weit bekannten Darstellern - und schon steht einer grandiosen Premiere nichts mehr im Wege? Das Publikum wirkte darüber sehr unstimmig. Vor allem mit der "neuen Fassung" konnten sich einige Premierengäste nicht ganz anfreunden.

Besonders markant in der neuen Inszenierung von Harry Kupfer ist, dass man versuchte das Stück ins Moderne zu rücken. So wird die Gräfin von Waldstätten in, an den Orient erinnernde, Stoffe gehüllt, Wolfgang Amadeus Mozart spielt im Kapuzenpullover und die Weber'schen kommen als Hippies im bunten Haus-Bus auf die Bühne. Yan Tax mischt in dieser Neugestaltung zeitgerechte Mode mit zuvor genannten Stilbrüchen. Das Bühnenbild von Hans Schavernoch besteht aus einer großen Leinwand, raumgroßen Seitenwänden und diversen Requisiten, allen voran einige Stühle, welche von den Darstellern selbst beinahe andauernd bewegt werden. Zentrales Element ist natürlich auch das Klavier. Für das Videodesign zeigt sich Thomas Reimer verantwortlich.

Mit Oedo Kuipers wurde ein sehr authentischer Darsteller für die Rolle des Wolfgang Mozart gefunden. Mit natürlicher Art, jungendlichem Charme und einer großartigen Stimme, weiß er das Publikum zu begeistern. Einziger Verbesserungswunsch wäre eine klarere Entwicklung der Figur Wolfgang Mozart. Leopold Mozart, Wolfgangs Vater, spielt niemand geringerer als Thomas Borchert, der bereits bei der Uraufführung für die selbe Rolle auf der Bühne des Theater an der Wien stand. Dies merkt man auch in seiner Darstellung, die eine klare Routine ausstrahlt. Stimmlich brilliant. Als Colloredo konnte Mark Seibert verpflichtet werden, der zur Freude der weiblichen Zuseher auch mit nacktem Oberkörper zu sehen ist. Auch wenn die gesangliche Leistung gut war, mangelte es leider an einer klaren Rollenidentifikation. Die stimmgewaltige Ana Milva Gomes, die einmal mehr aufgrund ihrer Hautfarbe ungewöhnlich besetzt wurde, erntete auch einmal mehr tobenden Applaus für die Darstellung der Baronin von Waldstätten. Franziska Schuster überzeugte mit ihrer frischen Art und einer ausdrucksstarken Performance das Premierenpublikum in der Rolle der Constanze Weber / Nissen. Absolut nichtssagend präsentierte sich Johannes Glück als Emanuel Schikaneder. Arm scheint in jedem Fall die Darstellerin, Sophie Wilfert, des kleinen Mozarts, der im Stück ständig über die Bühne gedrängt und geschleift wird.

Generell scheint die neue Inszenierung von MOZART! zu polarisieren. Ob ein Stück unbedingt ständig "weiter entwickelt" werden sollte, sei dahin gestellt. Doch dürfte die Version Mozart 2.0 einigen Gästen etwas zu modern zu sein. Die Handlung an sich ist zwar durchgängig, doch unspektakulär, die neuen bzw. veränderten Songs erinnern teilweise an andere Levay & Kunze - Werke, wie Rebecca und Co. Besonders schade erscheint uns, dass das Lied SAUSCHWANZ VON DRECKEN in "Ich bin extraordinär" verändert wurde. Ganz offensichtlich trifft die Produktion nicht aller Geschmack.

Wie gewohnt sorgt das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien, unter der Leitung von Koen Shoots, für einen absoluten Ohrenschmaus.

Wir würden empfehlen die Produktion selbst zu sichten und zu urteilen. Einen Besuch ist die Inszenierung durchaus wert. Ob es für einen zweiten Besuch reicht, muss jeder für sich entscheiden.

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