Kritik

Die Dschinni-Show im Stage Theater Neue Flora

Datum: 06. Dezember 2015 | Autor: Philippe Beck

Heute Abend feiert DISNEYS ALADDIN - Das Musical im Stage Theater Neue Flora, in Hamburg, seine Galapremiere. Wir durften uns gestern bereits ein Bild von der Produktion machen. Eines ist klar - Enrico De Pieri, alias Dschinni, setzt sich als Hauptattraktion in der Show durch.

ALADDIN ist die jüngste Disney Theatrical Musical Produktion, wurde am 20. März 2014 im New Amsterdam Theatre vor begeistertem Publikum uraufgeführt und eines ist klar - der Stoff hat durchaus Hitpotential. Wie auch bereits am Broadway, wo James Monroe Iglehart mit der Rolle des Dschinnis zum Höhepunkt der Show wurde, ist es nun in Hamburg Enrico De Pieri, der ganz klar im arabischen Gag-Spektakel die Nase vorne hat.

Zur Handlung an sich ist wohl nicht viel zu sagen. Des Sultans Tochter, Jasmin, soll heiraten, diese will jedoch ihren Mann aus Liebe wählen und wie es der Zufall so will, trifft sie, während eines "Ausrisses" aus dem Palast, den angeberischen Aladdin und verliebt sich prompt in ihn. Böser Gegenspieler ist Dschafar, der mit all seiner Macht versucht den Thron zu besteigen. Doch dies kann ihm schlussendlich nur mit Hilfe einer Wunderlampe gelingen, die ihm der "ungeschliffene Diamant" - kurz Aladdin - aus der Höhle der Wunder holen soll. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, denn Aladdin kann den vielen anderen Schätzen nicht widerstehen, die Höhle verschließt sich und durch das Reiben der "Wunderlampe" erscheint ein Dschinni, der Aladdin drei Wünsche gewährt. Aladdins Wunsch ist es die Prinzessin heiraten zu können, doch scheint dies unmöglich, denn Prinzessinnen dürfen nur Prinzen heiraten. Für Dschinni eine einfache Aufgabe, und schon wird aus dem sich ständig in Ärger bringenden Bengel, Aladdin, ein stattlicher Prinz, der um die Hand von Jasmin anhält. Dschafar kommt ihm aber auf die Schliche und bindet den Dschinni an sich, welcher ihm seinen sehnlichsten Wunsch, Sultan zu sein, erfüllen muss. Via einer List jedoch, schafft es Aladdin Dschafar selbst zu einem Dschinni zu machen und ihn in die Wunderlampe zu sperren und tatsächlich hebt Jasmins Vater das Gesetz, wonach Prinzessinnen nur Prinzen heiraten dürfen, auf, um seine Tochter glücklich zu machen.

Kümmern wir uns vorerst um die positiven Dinge, die durchaus überwiegen. Die Kulissen, die Kostüme und die Frisuren sind eine Augenweide. Die tollen Effekte, z.B. ein sich selbst umblätterndes Buch, der fliegende Teppich, aber auch die Höhle der Wunder, lassen erahnen wie kostspielig diese Produktion ist. Hier sorgten ja jüngst auch die Ticketpreise für Aufregung, die sehr überteuert schienen. Doch schauen wir vorerst mal noch ein Stückchen weiter. Das ca. 15-köpfige Orchester, unter der musikalischen Leitung von Klaus Wilhelm, gibt in jedem Fall ordentlich Gas, hier darf man sich, ganz klar, nicht beklagen. Das Ensemble wurde durchwegs sehr gut gecastet, denn optisch, gesanglich und schauspielerisch ist bei jedem volles Potential gegeben. Sehen wir uns das Cast mal genauer an.

Absolutes Highlight der Show ist nicht Aladdin, sondern definitiv Dschinni, der von Enrico De Pieri, bekannt durch seine Darbietung als Peter Schlönzke in Kein Pardon, ganz hervorragend verkörpert wird. Standig Ovations gab es noch während seinem Solo "So 'nen Kumpel hattest du noch nie" wo Enrico, bekannt aus Kein Pardon, gefühlte 15 Minuten durchgehend tanzte, sang, steppte und wieder tanzte, sang, steppte und,... . Hut ab vor dem ehemaligen Kein Pardon Hauptdarsteller, für diese Leistung. Haben Sie das gemerkt? Man kam ja im letzten Absatz kaum umhin zu erfahren, dass Enrico De Pieri, ehemaliger Hauptdarsteller in Hape Kerkerlings Musical Kein Pardon war. Noch einige Male mehr wurde das während der Show, durch ständige Zitate aus dem Stück (Kein Pardon) klar gemacht, was übrigens beim Publikum meist gar nicht wirklich ankam. Das ist aber auch das Einzige was man an der Darbietung von Enrico bemängeln kann, denn ansonsten war das eine tolle Leistung, außerdem weiß ja niemand wer sich diese Witze hier genau ausgedacht hat.

Kommen wir zu dein eigentlichen Hauptdarstellern des neuen Disney Musicals. Richard-Salvador Wolff sieht nicht nur aus wie Aladdin, singt sehr solide, hat den passenden Oberkörper und gibt auch tänzerisch einiges her, er sympathisiert auch toll mit seiner Bühnenkollegin Myrthes Monteiro, die die Rolle der Prinzessin Jasmin verkörpert. Myrthes einziges, aber gleichzeitig sehr auffälliges, Manko ist noch die deutsche Sprache. Man merkt jedoch, dass sie hier am richtigen Weg ist, denn einige Parts waren beinahe akzentfrei dargeboten. Jasmins Vater, der Sultan, wird von Claus Dam gespielt, der es allerdings erst beim Gesang schafft tatsächlich Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, schauspielerisch keine Glanzleistung. Auch der Gegenspieler Dschafar, gespielt von Ethan Freeman und sein Gehilfe Jago, gespielt von Eric Minsk, verschenken leider immer wieder Pointen. Dennoch gibt es bei den Beiden gesanglich nichts zu meckern und auch die Figuren an sich, vor allem Jago, sind sehr klar. Bleiben bloß noch Aladdins drei Freunde, bestehend aus Babkak (Stefan Tolnai), Omar (Pedro Reichert) und Kassar (Philipp Tobias Hägeli), die den ganzen Abend eine solide Leistung abgaben. Die Stürmung des Palastes, wohlwissend, dass die Szene sicherlich sehr aufwändig zu proben war, war noch nicht perfekt getimed. Das Ensemble überzeugte mir sehr starken Stimmen und unheimlich exakt dargebotenen Choreographien.

Alles in allem muss man sagen, dass DISNEYS ALADDIN definitiv einen Besuch wert ist, doch scheint für uns eine zusätzliche Woche "Previews" sinnvoll gewesen. Die Darsteller wurden sehr gut gecastet, doch ist kaum noch jemand auf seinem 120 % Energielevel angekommen, den es für eine solche Produktion benötigt und auch viele Pointen sind noch nicht perfekt getimed. Einige Rollen sind schauspielerisch noch etwas schwach, doch liegt das, das merkt man, einfach am "noch nicht eingespielt sein". Mitte Dezember sollte der Energielevel - geschätzt - erreicht sein, wodurch der Preis unseres Erachtens tatsächlich gerechtfertigt ist. Man darf natürlich nicht vergessen, dass Stage Entertainment kein subventioniertes Unternehmen ist und sich, wie Produktionen am Broadway auch, mit eigenen Mitteln über Wasser halten müssen. Je aufwendiger die Show, desto teurer die Produktion und damit auch die Preise. Doch klar - vor allem bei einer Produktion für die ganze Familie ist die Preisfrage immer etwas heikler, aber man geht ja auch nicht alle Tage in eine solche Produktion.

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