Interview

Pia Douwes zu ihrer Rolle als Diana Goodman in Next To Normal

Datum: 06. Dezember 2015 | Autor: Karoline Troger

Das vielfach ausgezeichnete Musical NEXT TO NORMAL, zu Deutsch Fast Normal, wurde im Stadttheater Fürth erstmals in deutscher Sprache aufgeführt. Nun, Ende April 2016, kommt die Erfolgsproduktion auch ins Wiener Museumsquartier. Wir durften PIA DOUWES interviewen und haben ganz viel persönliches und über Next To Normal erfahren.

Die deutschsprachige Erstaufführung von NEXT TO NORMAL feierte am 11. Oktober 2013 seine Premiere im Stadttheater Fürth. Die umjubelte Produktion kommt nun auch ins Wiener Museumsquartier, wo sie von 27. April bis zum 1. Mai 2016 zu sehen ist. In der Hauptrolle der Diana Goodman steht niemand geringerer als Pia Douwes. Ihren Ehemann, Dan, spielt Felix Martin; Ihre Tochter Natalie wird von Sabrina Weckerlin dargestellt und die Rolle von Dianas verstorbenem Sohn übernimmt Dirk Johnston. Henry, Natalies Freund, sowie die Doktoren Fine und Madden, werden von Dominik Hees und Ramin Dustdar gespielt.

Im Rahmen dieser Produktion bekamen wir die Möglichkeit Pia Douwes zu interviewen. Ein Gespräch in der unsere Redakteurin, Karoline Troger, Pia privat und beruflich näher kennen lernen durfte.

Interview

Warum bist du eigentlich Musicaldarstellerin geworden?
Das ist witzig, weil ich das eigentlich nie wollte. Ich hab nie daran gedacht bis ich einmal wild in einer Disco getanzt habe und dann wurde mir bewusst, dass meine Seele im Tanz einen Ausweg sucht. Auf diese Art und Weise konnte ich mich entfalten und es machte mich einfach sehr glücklich.

Dann war ich zufällig zwei Tage in London und habe verschiedene Schulen 'rausgesucht, bin dann bei den Schulen vorbeigegangen um Prospekte zu holen bis ich bei einer hängen geblieben bin. Ich wurde gefragt, ob ich interessiert sei zu kommen und ich antwortete gleich „JAAA“.

Schließlich wurde ich dann aufgenommen, bin nach England gezogen und habe drei Jahre lang eine Tanzausbildung gemacht. Währenddessen habe ich in Salzburg bei Susi Nicoletti und Sam Cane einen Musicalkurs absolviert. Da wurde mir gesagt, dass ich Talent hätte und unbedingt im Musical weitermachen solle. So habe ich erst entdeckt, dass ich eigentlich das machen wollte.

Was reizt dich denn an dem Beruf so?
Ich finde es sehr schön, dass man Geschichten erzählen kann und zwar über alle Formen: Tanz, Gesang und Schauspiel. Diese Kombination der verschiedenen Ausdrucksformen mag ich sehr.

Wie hart ist dieses Pflaster denn wirklich? Gibt es denn gute Jobchancen?
Für die „Kinder“ die jetzt anfangen ist es nicht leicht. Die Konkurrenz ist größer und der Job ist auch härter geworden. Als ich damals angefangen habe, gab es zwar noch weniger Stücke, aber auch weniger Konkurrenz, es war alles noch so neu.

Etwas ganz entscheidendes war auch, dass wir in diesem Beruf nicht angefangen haben mit dem Ziel: „Ich will Musicaldarsteller“ werden. Ich habe angefangen und dachte mir: „Ich muss tanzen, ich muss singen, ich muss schauspielen - ich muss das einfach machen!“ Und so ging es von einem Projekt zum anderen. Aber ich hab nie daran gedacht eine Bekanntheit zu werden. Ich habe in den ersten paar Jahren nie daran gedacht eine Karriere zu machen und genau das brachte irgendwie ein Leichtigkeit mit, weil man einfach seiner Leidenschaft folgt.

Jetzt geht es natürlich darum das Erreichte zu halten, das ist für uns auch spannend, da alles um Bekanntheit geht. Jetzt muss man da bleiben.

Wie erhältst du dir diese Lust und Leidenschaft als Darstellerin?
Indem ich mich als Mensch herausfordere, wie in dem Stück „Next To Normal“. Ich will daran wachsen.

Hattest du einen "Plan-B" zum Musicalbusiness?
Ich wollte eigentlich Schwester für geistig behinderte Kinder werden, das wollte ich neun Jahre lang. Oft hab ich auch an Dolmetscherin oder Fotografin gedacht. Jetzt bin ich, neben dem Darstellerberuf, auch Botschafterin für „Make-A-Wish“* in Österreich und Holland und für die „Ingeborg Douwes Stiftung“**.

Wie viel Talent steckt denn in dir? Oder musstest du dir alles hart erarbeiten?
Ich musste mir einiges hart erarbeiten. Ich habe zwar eine Tanzausbildung gemacht, war aber keine großartige Tänzerin. Ich war eine gute Tänzerin. Der moderne Stil lag mir mehr, als der klassische. Gesanglich hab ich eigentlich erst in meinem Beruf alles gelernt. Mit meinen Gesangslehrern Carol Blaickner-Mayo und Noelle Turner hab ich mir meine Stimme erarbeitet. Und Schauspiel hab ich auch nebenbei gelernt. Eigentlich hab ich mir alles erarbeitet, wobei ich es nie als „harte Arbeit“ empfand, sondern als spannende Arbeit.

Wie bereitest du dich auf eine Rolle vor? Ist das immer ein gleichbleibendes Ritual?
Das hängt von der Rolle ab. Bei „Next To Normal“ z.B., bringe ich schon sehr viel aus eigener Erfahrung mit und das Stück selber bringt auch schon sehr viel mit sich mit. Beim „Besuch der alten Dame“ musste ich mich sehr intensiv mit der Figur von Dürrenmatt beschäftigen und versuchen diese fiktive Figur darzustellen. Bei „Elisabeth“ war es schon sehr viel einfacher, weil man einfach sehr viele Informationen über Sissi finden kann. Natürlich ist die Kritik der anderen dann oft klarer, weil sie denken Elisabeth auch zu kennen. Die Rolle der Diana aus „Next To Normal“ hingegen finde ich sehr spannend, weil es jede Person sein könnte. Es kommt sehr nah an das reale Leben ran.

Wie viel Pia steckt in Diana?
Viel würd ich sagen. Aber ich bin überzeugt, dass immer ein Stück Pia in jeder Rolle steckt. Du verkörperst ja die Rolle. Man schaltet ja nicht komplett ab, da man durch die Rolle empfindet. Gerade weil ich sie verstehe und selber auch Depressionen erlebt habe, steckt auch ein Stückchen Pia drin. Vielleicht sogar mehr als in anderen Rollen.

Die Beziehung zwischen Diana und Natalie ist sehr kompliziert. Wie siehst du die ideale Mutter-Tochter-Beziehung?
Kann so eine Beziehung überhaupt ideal sein? Obwohl ich eine Freundin kenne, die eine sehr gute Beziehung zu ihrer Mutter gehabt hat. Ich denke, dass das allerdings Ausnahmen sind. Für mich war es auch eine Herausforderung mit meiner Mutter einen guten Weg zu finden und ich glaube 9 von 10 Töchter oder Mütter haben die gleiche Erfahrung. Sie müssen immer erst zueinander finden oder sich immer wieder neu finden. Das ist vielleicht so, weil wir Frauen sind, weil wir mit Emotionen und Weiblichkeit umgehen müssen.

Meine Mutter hat z.B. diese Emanzipation erlebt, aber vielleicht auch zu spät erlebt. Wenn sie jünger gewesen wäre, wäre sie eventuell mit der Emanzipation leichter mitgegangen, als später dann mit vier Kindern. Ich hingegen hab die Freiheit schon genossen. Wir lieben uns sehr und wir verstehen uns jetzt auch viel besser, aber dafür brauchte es eine gewisse Zeit um zueinander zu finden.

Diana und Natalie finden im Stück auch zueinander. Das find ich sehr schön. Die Art und Weise wie das passiert, finde ich sehr spannend, weil sie sehr erwachsen damit umgehen und das sehr realistisch bleibt. Es ist nicht „Ende gut, alles gut“. Überhaupt jede Figur in „Next To Normal“ erlebt eine Entwicklung in eine gewisse Richtung, die ganz spannend ist. Die Geschichte ist aus dem Leben gegriffen.

Was sind deine persönlichen Highlights im Stück? Welche Momente berühren dich sehr?
Ein Moment zwischen Dan und Diana geht mir sehr nah. Nach ihrer Behandlung leidet sie unter Gedächtnisverlust und durch ein Objekt kommt ihre Erinnerung wieder zurück. In diesem Schlüsselmoment wird ihr klar warum sie Depressionen bekommen hat. Es ist für beide Figuren ein sehr verletzlicher Moment, der aber sehr befreiend ist, weil sie endlich die Wahrheit sieht. Ich glaube, das ist der Anfang ihrer Heilung.

Wie sehr berührt dich die Geschichte beim Spielen? Hat dich das auch schon mal emotional überwältigt?
In der Szene mit Natalie kommt einiges hoch. Vielleicht weil es auch mit mir und meiner eigenen Mutter zu tun hat. Es hat zwar nie diese Situation gegeben, aber es kommt nah, weil ich jetzt die Mutter spiel und selber eine Tochter hab. Es ist ein sehr berührender Moment für mich. „Next To Normal“ greift ein gesellschaftliches Tabuthema auf.

Glaubst du, dass das dazu beiträgt, dass die Leute offener mit psychischen Krankheiten umgehen?
Es gibt ja Schauspielstücke darüber, die man sehr ernst nimmt. Ich finde es richtig, dass jetzt auch ein Musical mit so einem Thema erscheint. Die moderne popige, rockige, aber auch countryangehauchte Musik trägt dieses Stück. Es ist dadurch sehr berührend und eine sehr zugängliche Form zu diesem Thema. Es ist ja keine wissenschaftliche Bearbeitung, sondern es ist real, hat Humor und Dramatik. Es ist ein Rollercoaster von Gefühlen und man merkt, dass sich die Leute damit auseinander setzen.

Welche Rolle würdest du als deine Lieblingsrolle bezeichnen oder gibt es eine Rolle, die du einmal gerne verkörpern möchtest?
(lacht) Also die Diana spiel ich natürlich sehr gern. Welche Rollen noch kommen, weiß ich ja noch nicht, ich mag es aber neue, herausfordernde Rollen zu spielen. Der Besuch der alten Dame ist ganz anders als „Next To Normal“ oder „Meisterklasse“, was ich gespielt habe. Mich interessiert es sehr viel Verschiedenes zu spielen, weil mich das als Mensch wachsen lässt.

Als eine der Lieblingsrollen muss ich natürlich Elisabeth erwähnen. Das ist ja mein Kind, sozusagen, das hat man kreiert, das wird man nie vergessen. Ich spiel und sing es auch immer wieder gern. Aber es ist nicht DIE Lieblingsrolle. Ich fand den Besuch der alten Dame auch ganz toll zum Spielen. Auch eine Kreation von mir. Das Schönste ist immer zu kreieren.

Wo führt dich die Reise neben Next To Normal noch hin?
Ich mach mit Uwe jetzt noch ein Weihnachtsprogramm. Dann bring ich ab Februar ein Buch heraus: es sind visuelle Erzählungen, ein Fotobuch mit Gedanken, Gedichten aus der Barockzeit. Und dann spiel ich eben „Next To Normal“ in Wien. 

Zusatz

* Die Make-A-Wish-Foundation ist ein international aktiver gemeinnütziger Verein, der sich die unentgeltliche Erfüllung von Herzenswünschen schwerstkranker Kinder zum Ziel gesetzt hat. www.worldwish.org


** Die Ingeborg Douwes Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht krebskranken Patienten und deren Familien eine psycholgische Stütze zu geben. www.ingeborgdouwesstichting.nl

Wir bedanken uns bei LS Konzerte und Pia Douwes für das schöne Interview und wünschen Pia alles erdenklich Gute. Möge sie uns noch ganz lange im Musicalbusiness erhalten bleiben.

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Sabrina Weckerlin und Pia Douwes in NEXT TO NORMAL (Fast Normal)
Fast Normal - Next To Normal, Szenenmotiv
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