Premierenbericht

Große Choreographien im Stadttheater Klagenfurt

Datum: 25. März 2016 | Autor: Philippe Beck

Gestern feierte A CHORUS LINE seine Premiere im Stadttheater Klagenfurt. Kein Musical für Besucher die sich berieseln lassen wollen. Bei aktiver Beobachtung kann man sich von großen Choreographien und starken Persönlichkeiten begeistern lassen.

A CHORUS LINE beschäftigt sich mit dem Auditionprozess im Musiktheater. Ein Choreograph, Zach, sucht TänzerInnen für seine neue Show. Dabei ist er sehr penibel, denn schließlich sollen die TänzerInnen eine Einheit bilden und die Solisten unterstützen. Gesucht werden 4 Tänzer und 4 Tänzerinnen und die Auswahl aus über 20 Kandidaten fällt nicht leicht. Etwas sonderbar kommen den Bewerbern die vielen persönlichen Fragen von Choreograph Zach vor, denn schließlich hat jeder von ihnen einen Lebenslauf mit allen bislang relevanten Daten vorbereitet. Doch nach kurzer Zeit tauen die Künstler auf und erzählen ihre Lebensgeschichten. Schlussendlich gibt Zach seine Auswahl bekannt, doch einfach macht er sich diese nicht.

A Chorus Line wurde im April 1975 uraufgeführt und siedelte nach kurzer Zeit ins Shubert Theatre am Broadway um. Dort war A Chorus Line, mit 6137 Vorstellungen, lange auf Platz Eins der Long-Run-Produktionen, bis es schließlich 1997 von Cats abgelöst wurde. Das Werk von James Kirkwood, Nicholas Dante, Marvin Hamlisch und Edward Kleban wurde, unter anderem, mit neun Tony Awards und einem Pulitzer Prize for Drama ausgezeichnet.

Das etwas andere Konzept eines Musicals über das Leben am Theater benötigt das aktive Beobachten der Zuseher, denn die "Action" bleibt aus. Mit großen Choreographien werden die außergewöhnlichen Alltagsgeschichten der Protagonisten aufgelockert, und dennoch konzentriert sich A Chorus Line auf die einzelnen Persönlichkeiten der Auditionteilnehmer und beleuchtet auch kurz das Verhältnis einer Bewerberin zum Choreographen.

Das Klagenfurter Cast besteht hauptsächlich aus sehr guten Tänzern, was das gesangliche Niveau, bis auf wenige Ausnahmen, senkt. Dennoch liefern alle DarstellerInnen eine solide Leistung ab. Wer allerdings auf große Stimmen hofft, wird enttäuscht. Stimmlich besonders hervorzuheben sind Bronwyn Tarboton und Timo Verse. Sarah Bowden, als Ex-Freundin von Choreograph Zach, begeistert das Publikum nicht nur mit ihrer Solo-Tanznummer, sondern auch mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten. Auch Wei-Ken Liao überrascht zuletzt mit einem sehr emotionalen Monolog, für einige Lacher sorgt Ines Hengl-Pirker für Ihre divenhafte Darstellung von Sheila Bryant. Bekritteln könnte man die vielen sprachlichen Akzente und teilweisen Missstände der deutschen Bühnensprache der Protagonisten, doch kann man der Handlung wunderbar folgen.

Die Inszenierung und vor allem die Choreographien von Baayork Lee ließen das Premierenpublikum immer wieder in lauten Jubel ausbrechen. Als Assistenten standen ihr Matthew Couvillon in puncto Choreographie und Peter Pileski bei der Regiearbeit bei. Das Bühnenbild von Robin Wagner ist komplett auf Spiegelelemente reduziert, die je nach Situation verwendet werden und dem Publikum die Illusion einer erweiterten Bühne bieten. Das geschickte Lichtdesign setzt die Bühne in tolle Stimmungen, bis auf einen kurzen Ausfall zu Beginn ist die tontechnische Umsetzung außerdem wunderbar geglückt. Besonders hervorzuheben ist in jedem Fall das Kärntner Sinfonieorchester, dass die DarstellerInnen hervorragend begleitet.

Zusammenfassend bietet A Chorus Line einen spannenden Blick in die Welt des Theaterlebens. Bei einer Spielzeit von 2 Stunden, ohne Pause, muss man sich allerdings darauf einstellen, dass eine aktive Beobachtung von Nöten ist. Für Tanzliebhaber ist die Produktion ein absolutes Muss.

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A CHORUS LINE in Klagenfurt, Pressefoto
A CHORUS LINE in Klagenfurt, Szenenmotiv
A CHORUS LINE in Klagenfurt, Szenenmotiv
A CHORUS LINE in Klagenfurt, Szenenmotiv
A CHORUS LINE in Klagenfurt, Szenenmotiv
A CHORUS LINE in Klagenfurt, Szenenmotiv
A CHORUS LINE in Klagenfurt, Szenenmotiv
A CHORUS LINE in Klagenfurt, Szenenmotiv
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