Kritik

Farbenfroh, komisch, und unerwarteter Jargon - TWISTED

Datum: 22. Mai 2016 | Autor: Matthias Buchegger

Die unerzählte Geschichte eines königlichen Wesirs. KANGAROO ENTERTAINMENT holte TWISTED, eine Persiflage über Disneys Aladdin, in den deutschsprachigen Raum, genauer gesagt nach Wien. Wir durften eine Produktion mit top-motivierten Akteuren erleben.

Das Musical TWISTED wurde 2013 in Chicago uraufgeführt und stammt aus der Feder von A.J. Holmes, Kaley McMahon, Nick Lang, Matt Lang und Eric Kahn Gale. Das beinahe idente Team von A VERY POTTER MUSICAL, welches die selbe Truppe, vor der Gründung des Vereins KANGAROO ENTERTAINMENT, zur deutschsprachigen Erstaufführung brachte. Unter diesem Aspekt scheint die Auswahl für die neue Produktion TWISTED nur logisch.

Wie bereits bei A VERY POTTER sehen die Macher ihre Aufgabe darin eine bereits bestehende Geschichte zu persiflieren. In TWISTED - DIE UNERZÄHLTE GESCHICHTE EINES KÖNIGLICHEN WESIRS widmen sich die Autoren dem Disneyklassiker Aladdin und erzählen diesen aus der Sicht von Ja'far, der plötzlich zu einem, die Welt zum Besseren verändern wollenden, tollpatschigen, "Emotionsbündel" mutiert und gegen den minderbemittelten (sowohl finanziell als auch geistig) Aladdin ankämpfen muss, dessen einziges Ziel darin besteht mit der Prinzessin zu kopulieren.

Eines vorweg. Auch wenn auf der Website von KANGAROO ENTERTAINMENT mit Äußerungen wie "Spezialisten zu Hauf." oder "... Zusammenschluss von Schauspielern, Musikern, Regisseuren, Medientechnikern, und Kostümdesignern ..." auf Bühnenprofis schließen lässt weiß man bei uns, dass der Großteil der Protagonisten noch in Ausbildung ist und die Kritik beläuft sich auf dieser Kenntnis.

Wer die Produktion miterleben durfte wird gemerkt haben, dass das gesamte Team mit voller Hingabe eine unerwartet qualitativ hochwertige Darbietung präsentierte. Allem voran waren die farbenprächtigen Kostüme von Nina Batik ein absoluter Hingucker. Auch das Kangaroo Orchester unter der Leitung von Alexander Rott wertete die Produktion, im Vergleich zu ähnlichen Produktionen, deutlich auf. Die Regiearbeit von Pamina Lenn spiegelt beinahe die auf YouTube veröffentlichte Originalproduktion wieder. Ob dies nun positiv oder negativ ist soll jeder für sich selbst entscheiden. Oft ist es besser das Stück den Protagonisten anzupassen, als diese in das Stück zu zwängen (sehr brachial ausgedrückt). Evtl. wollte man hier auch die Erwartungshaltung des Publikums von A Very Potter halten, bei der genau so gearbeitet wurde.

Der Cast wurde gut ausgewählt. Max Haustein, als Ja'far, bemühte sich der etwas unklar definierten Figur gerecht zu werden. In die Rolle der vulgären Prinzessin schlüpfte die wohlbeleibte Shireen Nikolic, was an sich schon zur weiteren Skurrilität verhalf. Auch wenn Shireen abschnittsweise privat wirkte, begeisterte sie das Publikum und präsentierte sich gesanglich auf sehr gutem Niveau. Jascha Geber zeigte sich nicht nur für die stimmigen Choreographien verantwortlich, sondern stand auch selbst als Aladdin auf der Bühne. Leider war das sprachliche Verständnis aufgrund undeutlicher Aussprache nicht durchgehend gegeben. Trotz schauspielerischer guter Intuition wirkte Jascha großteils privat und konnte der Rolle zum Ende hin, in seinem "schizophrenen Monolog", nicht gerecht werden. In der Rolle der Scheherazade überzeugte Pamina Lenn vor allem gesanglich. In der Anfangssequenz konnte man ihr jedoch leider, aufgrund des zu hohen Sprechtempos, kaum folgen. Als Prinz Achmed brillierte Clemes O. Bauer mit unglaublichem "Komik-Talent" und guter Gesangsstimme. Als Djinn bemühte sich Hans-Tilmann Rose gefühlt hunderte Zitate aus diversen Filmen originalgetreu darzubieten, was ihm überzeugend gut gelang. Auch Marlies Denk stellte ihr Talent zur Komik, das sie als Hauptmann gab, unter Beweis. In weiteren Rollen waren Nina Batik, Gini Lampl, Marcel Hess, Caroline Docar und Laura Voith zu sehen.

Wie bereits erwähnt überzeugte das Orchester mit hoher Qualität. Für Licht und Ton zeigte sich Gabriel Geber verantwortlich, wobei man sagen muss, dass dies der einzige Bereich war bei dem man mehr Energie hätte aufwendenden können. Die deutlich übermäßige Motivation hat bei der Technik noch gefehlt.

Alles in allem eine gelungene Produktion, die die Hoffnung auf mehr weckt. Vor allem wenn man die Qualitätssteigerung von A Very Potter Musical zu Twisted beachtet, darf man gespannt sein wohin die Reise der Kangaroos noch führen wird.

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TWISTED in Wien, Sujet
TWISTED in Wien, Pressefoto
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