Kritik

"Life begins when you know how it ends"

Datum: 13. Mai 2017 | Autor: Hans Tilmann Rose

Am 6. Mai feierte das Musical Big Fish von Andrew Lippa (Musik) und John August (Buch), das auf dem gleichnamigen Tim-Burton-Film basiert, im Theater im Neukloster in Wiener Neustadt Premiere. Die Produktion, die noch bis zum 4. Juni zu sehen ist, stellt damit die österreichische Erstaufführung dar.

Big Fish erzählt die emotionale Geschichte des Vaters Edward Bloom und seinem Sohn Will. Edward ist als großer Geschichtenerzähler bekannt, doch als sein Sohn erwachsen wird und heiratet, wird Will immer mehr klar, dass er nie den Mann hinter den Geschichten kennenlernen konnte. Das Verhältnis zwischen den beiden ist schwierig und spitzt sich weiter zu, als Will von einer Affaire seines Vaters erfährt; beide können erst ihren Frieden miteinander schließen, als Edward aufgrund einer tödlichen Krankheit sein Ende findet. Das Musical spielt sich dabei auf zwei Erzählebenen ab: Edwards Geschichten, die von einer Hexe, einem Riesen, einer Nixe und seiner großen Liebe handeln, sowie das reale Leben der Bloom-Familie und dem schwierigen Verhältnis zwischen Vater und Sohn.

Florian Scherz zeigt sich sowohl als Regisseur, als auch als Hauptdarsteller verantwortlich. Seine Darstellung des Edward Bloom verfehlt leider gänzlich die Sympathie des begeisterten Träumers, die dem Charakter innewohnt, und wirkt dadurch von Anfang an unsympathisch. Seine Regie zeigt zwar konzeptionelle Einfälle mit Potential, will jedoch oftmals zu viel und rutscht dadurch ins Unauthentische ab. Gerade das emotionale und sprachliche Tempo der schauspielerischen Szenen ist enorm gedrosselt, wodurch man freilich jedes Wort versteht, der erste Akt aber auch anderthalb Stunden dauert und sehr viele Szenen an Spannung verlieren. Zum Sympathieträger wird schnell Klemens Patek, der in der Rolle des zweifelnden, aber liebenswerten Sohnes Will keine Sekunde des Abends unauthentisch wird und gesanglich alle Schwierigkeiten seiner Rolle mit schöner Stimme meistert. Pia Lauermann als Edwards Frau Sandra spielt mit großer Sympathie, wirkt stimmlich jedoch manchmal glanzlos; Stephanie Prandler als Wills Frau Josephine spielt ihre Partnerszenen mit ihrem Mann wunderbar leicht und ehrlich. Im Ensemble überzeugen Clemens Lhotka in der Rolle des Riesen, Daniel Kita als Amos Calloway und Michaela Mikesch als Jenny Hill; David Lielacher bringt mit seinen kleinen Auftritten frischen Wind und Tempo in viele Szenen. Als Beste des Abends entpuppt sich jedoch früh Lena Maria Steyer in der Rolle der Hexe, die mit stimmlicher Kraft vollkommen sicher jede Höhe stemmt und über strahlende Bühnenpräsenz verfügt. Die musikalisch auf eine Band mit zwei Streichern reduzierte Fassung vermag es, die emotionale und facettenreiche Musik auf den Punkt zu bringen. Unter der musikalischen Leitung von Klemens Patek spielt die 6-köpfige Band die Partitur mit großer Ausdruckskraft und Sicherheit. Das Bühnenbild ist für die reduzierten Möglichkeiten des kleinen Theaters geschickt gelöst und wartet mit liebevollen Ideen auf.

Big Fish ist ein Musical mit viel Potential zu Witz und Trauer, das vor allem ersteres beinahe komplett durch die holprige Regie einbüßt; der Stoff ist jedoch so berührend, dass am Ende des Stückes bei weitem nicht nur eine Träne im Publikum läuft. Der Verlauf des Vater-Sohn-Verhältnisses und die Geschichten des Träumers Edward Bloom vermögen es trotzdem, das Publikum sichtlich zu berühren und mitzunehmen.

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BIG FISH in Wiener Neustadt
BIG FISH in Wiener Neustadt
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