Kritik

Rent - „No Day but Today“

Datum: 18. Mai 2017 | Autor: Hans Tilmann Rose

Mit „Rent“ feierte das Youth Ensemble des Vienna’s English Theatre am 28. April die mittlerweile sechste Premiere ihrer Musicalproduktionen. Mit großem Ensemble und Live-Band ist „Rent“ dabei auch die bisher aufwendigste Aufführung des VET Youth Ensembles, das mit gewohnt hoher Qualität einen emotionalen Abend darbietet.

„Rent“ zeigt den Alltag einer bunt gemischten New Yorker Künstlergruppe Ende der 90er Jahre und orientiert sich dabei an der Handlung der Puccini-Oper „La Bohéme“. Mark, ein Filmemacher und Regisseur, lebt in armen Verhältnissen mit dem Songschreiber Rodger in einer Wohnung, die sie manchmal auch mit dem schwulen Universitäts-Professor Tom Collins und dessen Lebenspartner Angel teilen. Marks Ex-Freundin, die bisexuelle Maureen und ihre Partnerin Joanna, sowie die an Roger interessierte Mimi vollenden die Gruppe; Mimi kämpft mit ihrer Drogenabhängigkeit und verliebt sich in Roger, der jedoch Probleme hat, sich seit dem Tod seiner Freundin anderen gegenüber zu offen. Als Angel schließlich an HIV stirbt, droht die Freundschaft aller zu zerbrechen. Schlussendlich wird jedoch klar, dass die problematischen Lebensverhältnisse aller nur durch Zusammenhalt und Freundschaft überstanden werden können. Die Zeitspanne der Geschichte umfasst genau ein Jahr im Leben der Künstler und behandelt dabei zentrale Themen wie AIDS, Armut, Homosexualität und Drogenabhängigkeit.

Adrienne Fergusons ausgezeichnete Regie schafft es, dem Stück sowohl die nötige Energie als auch dramatische Tiefe zu verschaffen. Rockige Ensemblenummern wie „Rent“ oder „La Vie Boheme“ sind sicher gearbeitet und pointiert inszeniert, dramatische Momente wie Angels Tod sind sensibel und oft auf das Spiel der Darsteller konzentriert und somit vollkommen richtig gesetzt. Nicht nur ein mal sorgt die knackige Inszenierung für begeisterte Reaktionen im Publikum, das zwischen lautem Jubel und einigen Tränen mehr als nur ein mal schwankt. Christopher Aguilar spielt den Filmemacher Mark Cohen mit großer Sicherheit und Wärme und ist stimmlich sehr solide; mit seinem facettenreichen Schauspiel kann er sowohl die Verzweiflung, als auch die Zuversicht, die sein Charakter vermittelt, problemlos bedienen und wird schnell zum Sympathieträger des Abends. Als Roger steht ihm Tim Al-Windawe zur Seite, der zwar eine der besten Stimmen des Abends hat, dafür jedoch schauspielerisch hölzern und abwechslungslos wirkt. Jasmina Fridl als Mimi ist die einzige des Abends, die mit ihrer unsicheren Stimme und aufgesetztem Schauspiel nicht mit ihren restlichen Kollegen mithalten kann; Oliver Edward als Tom Collins wirkt stimmlich etwas zu klassisch und ist seinem Spielpartner Hisham Morscher als Angel auch schauspielerisch oft unterlegen. Dieser schafft es, den schweren Spagat zwischen aufgedrehter Drag Queen und ehrlicher Gutmütigkeit zu bedienen und bringt Authentizität in eine Rolle, die auf den ersten Blick überzeichnet wirken mag. Astrid Nowak als Maureen trifft mit ihrem energiegeladenen und frechen Schauspiel die Rolle auf den Punkt und lässt dadurch ihre wenigen stimmlichen Unsicherheiten vollkommen vergessen, während Lena Maria Steyer als Joanne jede stimmliche Höhe scheinbar mühelos meistert und dabei bestens in die Rolle der strikten Anwältin passt. Alessandro Felix Frick hat leider öfter mit Intonationsproblemen zu kämpfen, die er mit seinem etwas farblosen Schauspiel nur schlecht ausgleichen kann. Im energetischen Ensemble fallen vor allem die ausgezeichneten Stimmen von Barbara-Theras Kugler und Christoph Pittamitz auf, Vera Peintinger schafft es währenddessen, dem Publikum in vielen ihrer kleinen Szenen Lacher zu entlocken.

Die kleine Bühne des Vienna’s English Theatre bietet schon beim Einlass ein spektakuläres Bild: Das Bühnenbild von Richard Panzenböck schafft es, zahlreiche Spielebenen zu schaffen und wartet mit vielen schönen Ideen auf. Die Live-Band spielt zwar gut, ist jedoch so schlecht abgemischt, dass davon fast nichts im Saal ankommt. Der Sound bleibt das größte Manko des Abends, da fast jede Szene von störenden Mikrofonausfällen begleitet wird und die rockigen, lauten Stellen der Partitur wegen schlechter Abmischung nur schwammig beim Zuschauer ankommen. Trotzdem ist die makellose musikalische Arbeit von Ariana Pullano unleugbar, die sich vor allem im perfekten Ensembleklang bemerkbar macht.

Rent bietet somit einen künstlerisch rundum sensiblen Abend, der durch umfassende technische Mängel leider etwas getrübt wird; das mindert jedoch nicht die Energie des Ensembles und die künstlerische Aussagekraft der Regie, die am Ende des Abends mit ausschweifendem Applaus belohnt wurde.

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RENT in Wien
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